Ist nach Abwägen verschiedener Möglichkeiten der Nierenersatztherapie (Dialyseverfahren) die Entscheidung zur Hämodialyse gefallen, gehört zu den Vorbereitungen auf dieses Blutreinigungsverfahren ("Blutwäsche") auch die rechtzeitige, d.h. frühzeitige Anlage eines sogenannten Shunts (arteriovenöse Dialyse-Fistel). Diese Maßnahme dient dazu ein möglichst oberflächlich gelegenes Gefäß (Vene) zu erweitern und gut mit Blut zu füllen um die für die Dialyse notwendigen 200-400 ml Blut, die pro Minute durch die Maschinen fließen, problemlos entnehmen zu können. Damit die Venen bei Beginn der Therapie möglichst schon gut gefüllt und erweitert ist sollte der  Shunt  möglichst mindestens 3-4 Wochen vor Beginn der 1. Behandlung angelegt werden. Ein Shunt, der (noch) nicht sicher zu punktieren ist oder der (noch) nicht ausreichend Blut fördert, ist für den betreffenden Patienten eine zusätzliche technische und psychische Behinderung und führt zu weiteren Abhängigkeiten, z. B.:


  • es entsteht Angst und Ungewissheit, ob die nächste Punktion denn auch  klappen  wird,
  • es entstehen zusätzliche Schmerzen,
  • die Dialysedauer muss wegen geringer Effektivität der Entgiftung verlängert werden,
  • möglicherweise muss ersatzweise ein venöser Verweilkatheter eingelegt werden mit allen seinen Nachteilen: Infektion, Thrombose der katheterisierten Vene; Duschen, Wannenbaden oder Schwimmen ist wegen der Gefahr des Nasswerdens der Katheterregion und damit einer Infektion nicht erlaubt.
  • Urlaub und Ferien werden zu einer Reise ins Ungewisse.


Diese Punkte zeigen, wie wichtig ein gut funktionierender Shunt für eine effektive Entgiftung und für das allgemeine Wohlbefinden des Patienten ist.

Die Anlage eines Hämodialyse-Shunts erfordert neben speziellen Erfahrungen in den Operationstechniken auch Kenntnisse über Art und Ablauf der Blutreinigungsverfahren (Punktionstechnik, Blutflüsse, Effektivität etc.) sowie gute Informationen über die venösen und arteriellen Gefäßverhältnisse des Patienten, damit die individuell beste Shunt-Möglichkeit genutzt werden kann. Eventuell ist sogar vorher eine röntgenologische oder sonographische Darstellung der Blutgefäße erforderlich. Der Hämodialyse-Shunt sollte - gerade wenn die Gefäßverhältnisse nicht optimal sind - ein  Maßanzug  sein.

Die Medizinische Klinik II des St. Joseph Krankenhauses betreut seit nunmehr 30 Jahren stationär und ambulant Dialysepatienten. Von jeher werden bei uns die Hämodialyse-Shunts - wenn dies die patienteneigenen Blutgefäße erlauben - von Nephrologen in Lokalanästhesie angelegt, zum Teil auch ambulant. In diesem Punkt besteht bei uns eine lange Tradition, wie sie nur an wenigen Nieren-Zentren gepflegt wird. Dies bedeutet, dass inzwischen Erfahrungen mit mehreren Tausend eigenen Shunt-Operationen vorliegen. Neben der großen individuellen Operationserfahrung hat diese Aufgabenverteilung noch weitere Vorteile: Mögliche Probleme mit dem Shunt - vor allem wenn sie vor oder während der Dialysebehandlung auftreten - werden von Ärzten, die mit der gesamten medizinischen und persönlichen Vorgeschichte ihrer Patienten gut vertraut sind, selbst erlebt und können häufig auch selbst behoben werden.

Ist für die Anlage eines Shunts - meist wegen unzureichender Venen - prothetisches Material und somit auch eine Vollnarkose erforderlich, so sind spezialisierte Gefäßchirurgen gefragt. Die Medizinische Klinik II arbeitet in solchen Situationen eng mit der Chirurgischen Klinik des eigenen Hauses zusammen, die diesbezüglich besonders erfahrene Chirurgen hat. Darüber hinaus werden in sogenannten Shunt-Konferenzen mit Beteiligung von Nephrologen, Chirurgen und Radiologen problematische Patienten eingehend besprochen und gemeinsam (falls erwünscht und nötig auch im Beisein des Patienten) das jeweils beste Vorgehen festgelegt. Dadurch erhalten die Dialyseärzte unmittelbare Hilfe für die von ihnen betreuten Patienten und andererseits die Shunt-Chirurgen die notwendige Rückkopplung über den Erfolg ihrer eigenen Eingriffe. Beides kommt den Patienten zugute. Nicht selten müssen bereits benutzte Shunts auch korrigiert werden, besonders dann, wenn ihre Funktion im Laufe der Zeit durch Einengung des Lumens schlechter geworden ist und ein kompletter Verschluss droht. Röntgen- und sonographische Untersuchungen können die genaue Verhältnisse klären und bei der Entscheidung helfen, ob erneut operiert werden muss oder ob (durch den Radiologen) eine Erweiterung mit einem speziellen Katheter möglich und sinnvoll ist.

Durch die langjährige eigene nephrologische Erfahrung in der Shunt-Chirurgie einer großen Dialyse-Abteilung und durch die enge Zusammenarbeit mit den im gleichen Hause tätigen Shunt-Chirurgen und Radiologen ist im St. Joseph Krankenhaus neben dem Nieren-Zentrum auch ein Shunt-Zentrum entstanden. Es dient nicht nur der Versorgung der eigenen Dialysepatienten, sondern wird zunehmend auch von anderen Dialysezentren und von niedergelassenen Nephrologen genutzt.