Seit 1999 widmet sich das St. Joseph Krankenhaus interkulturellen Aspekten. Folgende Ziele leiten unsere Arbeit:
- Kultursensible Pflege und Behandlung von Migrantinnen und Migranten
- Sensibilisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
- Information, Entlastung, Unterstützende Maßnahmen ermöglichen
Während aller Projekte wurden wir mit großer Fachkompetenz und Engagement beraten und begleitet von Frau Silva Demirci vom Caritasprojekt "Altwerden in der Fremde".
Aus-, Fort- und Weiterbildung
Seit 1999 werden im Rahmen der innerbetrieblichen Fortbildung jährlich hausinterne Grund- und Aufbaukurse für Pflegende zum Thema angeboten. Kultursensible Pflege wird in der Ausbildung thematisiert, sowie im hausinternen Weiterbildungslehrgang für Mentorinnen und Mentoren.
Pflegeleitbild
2001 wurde nach einem umfassend partizipativen Leitbildprozeß das Pflegeleitbild verabschiedet. Einige Sätze sind für die Arbeit mit MigrantInnen von besonderer Bedeutung.
Erhebung von Daten
Seit Januar 2000 werden durch die EDV-Abteilung des Hauses interkulturelle Daten statistisch ausgewertet (Staatsangehörigkeit und Religionszugehörigkeit). Die Statistik der Staatsangehörigkeiten wird nach Sprachkompetenzen gegliedert und dargestellt. Die Staatsangehörigkeit sagt nicht zwingend etwas über das Heimatland oder vorhandene Sprachkompetenzen aus. Die Daten sind eine Grundlage für weitere Projekte (z. B. Sprachmittler).
Sprache
Umgang mit Fremdsprachlichkeit ist nicht das einzige Kriterium von interkultureller Arbeit, aber sie stellt eine Herausforderung für alle Beteiligten dar. Da es in Berlin kein Netz an professionellen Dolmetschern mit Feldkompetenz Gesundheit und Krankheit gibt, das ohne erhebliche Kosten Unterstützung ermöglicht, haben wir uns entschlossen, einen anderen Weg zu gehen.
Pflegende und Ärzte wurden nach ihrer Bereitschaft zum Übersetzen befragt. Dabei konnte unterschieden werden, ob in Alltagssituationen oder auch bei medizinischen Aufklärungs-/Einwilligungsgesprächen Unterstützung angeboten wird. Derzeit haben wir eine Liste von 35 hausinternen Sprachmittlern für 21 Sprachen. Für die Übersetzungstätigkeit gelten Regeln, die einer möglichen Überforderung der MitarbeiterInnen entgegenwirken. Ergänzt wird die Sprachmittlerunterstützung durch Listen professioneller Dolmetscher.
Seit 2003 ist das St. Joseph Krankenhaus Praktikumsort für die Ausbildung zum/zur Gemeindedolmetscher/in.
Religion
Im Haus steht eine Liste von Ansprechpartnern der großen Religionen zur Verfügung. Diese Liste ist kombiniert mit Hinweisen zum Gebrauch, da die Funktionen der Geistlichen in verschiedenen Kulturen sehr unterschiedliche sein können.
Ausblick
Eine Schwierigkeit bei der Pflege in Institutionen liegt darin, dass die Patienten häufig ihrer Alltagsrituale beraubt werden. Menschen aus anderen Kulturkreisen menschenwürdig zu pflegen heißt für uns, einen Mittelweg zu finden zwischen den Anforderungen eines deutschen Krankenhauses und Alltagsritualen, die wir nicht alle kennen können, oder gar müssen, die wir aber ohne schlechtes Gewissen erfragen und vielleicht berücksichtigen können.
