DREI FRAGEN AN: Dr. med. Elke Johnen, Chefärztin der Klinik für Orthopädie und Unfallmedizin

· »Kniegelenkprothesen nach Maß«
Dr. med. Elke Johnen

Rund 160.000 künstliche Kniegelenke werden in Deutschland pro Jahr implantiert. Seit einigen Jahren gibt es auch Prothesen nach Maß, die individuell für den jeweiligen Patienten angefertigt werden. Das St. Joseph Krankenhaus wird dieses Verfahren ebenfalls bei geeigneten Patienten einsetzen, kündigt Dr. med. Elke Johnen, Chefärztin der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, im Drei-Fragen-Interview an.

Das Knie ist das größte und auch komplizierteste Gelenk im Körper. Sehr viele Menschen leider unter Knieschmerzen, wenn sie Treppen steigen oder Laufen. Was können die Ursachen für solche Schmerzen sein? 

Es gibt natürlich die typischen unfallbedingten Verletzungen, etwa Schäden am Meniskus oder den Kreuzbandriss. Aber sehr häufig liegt kein akutes Ereignis zugrunde, sondern die Probleme entstehen langsam im Laufe der Jahre mit zunehmendem Alter. Hier kann es verschiedene Ursachen geben. Anlagebedingt können O- oder X-Beine durch dauerhafte Überlastung der Innen- oder Außenseite zu einem vorzeitigen Knorpelverschleiß, also einer Arthrose führen.  Auch können kleinste Verletzungen der Weichteile in unmittelbarer Umgebung des Kniegelenkes Mikroinstabilitäten verursachen, die dann ebenfalls zur Arthrose führen. Sogenannten Stop-and-go Sportarten wie Squash, Volleyball, Badminton sind dabei ein erheblicher Risikofaktor, wenn sie über viele Jahre ausgeübt werden. Einen wissenschaftlich gesicherten Zusammenhang gibt es auch zwischen Übergewicht und Kniegelenksarthrose.

Wie erfolgversprechend sind konservative Behandlungsmethoden wie Akupunktur, spezielles Muskeltraining, Physiotherapie oder auch orthopädische Schuhe und Einlagen, die insbesondere beim Sport zu einer Entlastung des Knies führen?

Nachweislich kann man bei Arthrose in einem frühen Stadium mit Gewichtsreduktion, Physiotherapie und leichter sportlicher Betätigung wie Schwimmen oder Wandern das Fortschreiten der Erkrankung oftmals verlangsamen. Viele Patienten berichten auch von Erfolgen durch Akupunktur – es gibt dafür aber bisher keinen eindeutigen Nachweis durch klinische Studien. Ganz klassisch dienen Einlegesohlen oder Schuhranderhöhungen dazu, Fehlstellungen des Kniegelenkes etwa durch Senkspreizfüße oder X- bzw. O-Beine mechanisch zu korrigieren. Eine weitere Möglichkeit ist die ergänzende medikamentöse Behandlung.

Operation oftmals einzige Lösung

Man kann zum Beispiel als eine Art Schmiermittel Hyaluronsäure in das betroffene Gelenk spritzen und so mit drei bis fünf Injektionen eine Art »Stoßdämpfereffekt« herbeiführen. Auch macht oftmals eine Cortisonbehandlung Sinn, wenn die Gelenkschleimhaut entzündet ist. Allerdings ist das keine Daueranwendung, weil Cortison einen schädlichen Effekt auf den Knorpel hat. Das alles gilt jedoch nur im Frühstadium einer Arthrose oder bei akuten Entzündungen. Wenn das Knie bereits sehr stark geschädigt ist, kommt man mit diesen Methoden leider nicht mehr weiter. Dann steht eine Operation als einzige Lösung am Ende eines manchmal langen Leidensweges.

In Deutschland werden jährlich rund 160.000 künstliche Kniegelenke eingesetzt. Welche neue Entwicklungen auf dem Gebiet der Knie-Endoprothetik gibt es? Und sind Patienten mit einem künstlichen Kniegelenk nach der Operation wieder so mobil und leistungsfähig wie mit einem gesunden Gelenk? 

Seit einiger Zeit gibt es die Möglichkeit, Kniegelenksprothesen nach Maß anzufertigen. Dabei werden die exakten Maße durch Aufnahmen mit dem Computertomographen ermittelt. Diese Daten dienen dazu, mit Hilfe eines dreidimensionalen Druckverfahrens ein Implantat anzufertigen, das passgenau die körpereigenen Gelenkflächen ersetzt.  Wir bieten dieses Verfahren bei uns im Zentrum für Endoprothetik ebenfalls an. Bei vielen Patienten könnte diese neue Generation von Prothesen ein Weg sein, die Standzeit – also die Haltbarkeit des Implantates im Körper – zu verlängern, die bisher bei ca. 15 Jahren liegt. Allerdings, und darüber klären wir die Patienten natürlich sorgfältig auf, gibt es zu diesem Verfahren im Gegensatz zu den bisher gebräuchlichen Implantaten noch keine Langzeitstudien. Wir können also noch nicht hundertprozentig sagen, ob diese Prothesen in punkto Standzeit wirklich dauerhaft besser sind. Das wird man erst in einigen Jahren gesichert wissen. Allerdings deuten die bisherigen Unersuchungen darauf hin, dass Beweglichkeit und Gangbild mit den maßangefertigten Implantaten positiv beeinflusst werden.

Prothesen nach Maß

Doch auch im Bereich der herkömmlichen Endoprothetik steht uns ein ganzer Baukasten von Verfahren und Implantaten zur Verfügung. Ziel ist es immer, den operativen Eingriff so gering wie möglich zu halten und gesunde Kniepartien zu erhalten und weiterhin zu nutzen. Wir erreichen damit eine hohe Patientenzufriedenheit, wenn auch bis zu 20 Prozent der Patienten noch über Restbeschwerden klagen. Es gibt also noch Luft nach oben – und diese 20 Prozent versuchen wir durch möglichst gelenk- und gewebeschonende minimal-invasive Operationen und durch immer bessere Implantate zu erschließen. Zur Verbesserung der Positionierung der Implantate kommt auch die Navigation zum Einsatz.

Schnell beweglich werden

Wichtig ist natürlich, dass nach der Operation das Knie sofort wieder auf die richtige Weise bewegt wird. Wir bieten am St. Joseph Krankenhaus das sogenannte Schnell-Läufer-Programm, an dem etwa vier von fünf Patienten teilnehmen. Es besteht aus einem Schulungstag und einem intensiven physiotherapeutischen Programm über acht Tage hinweg – bei uns übrigens im Gegensatz zu den meisten anderen Kliniken auch am Wochenende. Danach schließt sich noch eine Behandlung in einer Reha-Einrichtung an. Bei gutem Verlauf können die Patienten mit einem künstlichen Kniegelenk danach wieder ohne Schmerzen mobil sein, Treppen steigen, Wandern und auch geeignete Sportarten betreiben. Man kann das Knie allerdings nicht mehr ganz so stark anwinkeln und viele Patienten berichten auch, dass das Hocken auf den Knien Schmerzen verursacht. Aber diese Einschränkungen stehen natürlich in keinem Verhältnis zu den jahrelangen Schmerzen vor einer Operation. Vor diesem Hintergrund kann ich übrigens auch die oftmals geäußerte Kritik nicht verstehen, dass in Deutschland angeblich zu häufig und zu voreilig künstliche Gelenke eingesetzt werden.

Pressekontakt

Corinna Riemer
Corinna Riemer
Leiterin Unternehmenskommunikation

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