Informationsveranstaltung der Kliniken für Kinder- und Jugendmedizin, Gynäkologie und Geburtshilfe am 29. April

· Wie kann man Mädchen vor Genitalverstümmelung schützen?
Das St. Joseph Krankenhaus informiert über Genitalverstümmelung an Mädchen

Wie kann man Mädchen – auch in Deutschland! - vor Beschneidungen ihrer Geschlechtsorgane schützen? Die Kliniken für Kinder- und Jugendmedizin sowie für Gynäkologie und Geburtshilfe informieren am 29. April 2015 um 17.30 Uhr im St. Joseph Krankenhaus Berlin Tempelhof über weibliche Genitalverstümmelung. Davon sind auch viele in Berlin lebende Frauen bereits betroffen oder bedroht.

Nach einem Überblicksvortrag zum Thema referiert Chefarzt Prof. Dr. Michael Abou-Dakn über die Auswirkungen dieser Praktik auf die Geburt. Das Desert Flower Center Waldfriede stellt seine Arbeit ebenso vor wie der Verein Mama Afrika e.V. Im Anschluss wird der senegalesische Film »Moolaadé – Bann der Hoffnung« gezeigt.

25.000 Betroffene in Deutschland

Weltweit sind rund 150 Millionen Mädchen und Frauen beschnitten; mehr als 25.000 von ihnen leben in Deutschland und etwa 6.000 junge Mädchen sind hierzulande von weiblicher Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, kurz: FGM) bedroht. »Gerade in einer multiethnischen Stadt wie Berlin betrifft das auch einige jener Kinder, die bei uns im Krankenhaus zur Welt kommen bzw. später hier behandelt werden. Wir wollen dazu beitragen, diese Kinder zu schützen, indem wir respektvoll auf ihre Familien zugehen und sie über die Konsequenzen des rituellen Eingriffs aufklären«, beschreibt Dr. Beatrix Schmidt, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, das Anliegen. Die Zusammenarbeit mit der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe ist ihr dabei besonders wichtig, denn »bei Müttern, die selbst Opfer von FGM geworden sind, ist die Gefahr besonders hoch, dass auch ihre Töchter dieses Schicksal erleiden«, so Schmidt.

Handeln ermöglichen

Das St. Joseph Krankenhaus und den Verein Mama Afrika e.V., der mit Alphabetisierungs-, Bildungs- und Aufklärungsprojekten dazu beiträgt, weibliche Genitalverstümmelung v.a. in Westafrika zu beenden, verbindet eine enge Kooperation: Erarbeitet wurde z.B. ein Formular, das die Kontaktaufnahme mit betroffenen Frauen – insbesondere im Kontext von Schwangerschaft und Geburt – erleichtert. »Patientinnen mit FGM sind häufig schwer traumatisiert und können über das Erlittene nicht sprechen. Auf dem Formular müssen sie lediglich ankreuzen – so gewinnen wir wichtige medizinische Informationen und können dennoch Grenzen wahren«, erklärt die Projektverantwortliche Sarah Lück, Assistenzärztin in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.

Kultur- und Sprachvermittlung notwendig

Werden nach der Geburt mit jungen Müttern Beratungsgespräche zu weiblicher Genitalverstümmelung geführt, kommt bei Bedarf eine Mitarbeiterin von Mama Afrika e.V. dazu. Meist vermittelt sie als Übersetzerin: zwischen zwei Sprachen und zwei Kulturen. »Es geht darum, den Frauen bewusst zu machen, dass FGM für einige ihrer gesundheitlichen Probleme verantwortlich ist und dass sie ihren Töchtern dieses Leid ersparen können. Solche Informationen sind für die Patientinnen viel glaubwürdiger, wenn jemand aus dem eigenen Kulturkreis sie ausspricht«, fasst Sarah Lück ihre Erfahrungen zusammen.

Auf Wunsch stellt sie für die Frauen auch den Kontakt zum Desert Flower Center Waldfriede her, wo die Patientinnen medizinische und psychosoziale Hilfe und Unterstützung erhalten.

Für ein Tabuthema sensibilisieren

Die Veranstaltung im St. Joseph Krankenhaus richtet sich insbesondere an Fachpublikum aus Medizin und Pflege, ist aber auch offen für Interessierte aus anderen Berufsgruppen. So haben beispielsweise Mitarbeiter in sozialen Einrichtungen und Behörden – oft unwissentlich – Kontakt mit Opfern weiblicher Genitalverstümmelung. Sie können erste Ansprechpartner für die Betroffenen sein, Unterstützungsangebote vermitteln, und sie spielen auch eine wichtige Rolle bei der Prävention von Gewalt an Mädchen.

Prof. Dr. Michael Abou-Dakn, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe: »Wir wollen den Teilnehmern unserer Veranstaltung einerseits bewusst machen, welches Leid FGM bedeutet. Andererseits wollen wir – ausgehend von unseren eigenen Erfahrungen – aufzeigen, was der Einzelne tun kann und so dazu ermutigen, nicht wegzusehen.«

Pressekontakt

Corinna Riemer
Corinna Riemer
Leiterin Unternehmenskommunikation

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