Dr. Elke Johnen, Chefärztin der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, über ihre Erfahrungen mit »intramedullären photodynamischen Implantaten« bei älteren Patienten

· »Am Tag nach der Operation wieder mobil«
Dr. Elke Johnen, Chefärztin der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie

Viele alte Menschen verlieren nach Knochenbrüchen dauerhaft ihre Mobilität. Eine neue Methode könnte in vielen Fällen Metallimplantate ersetzen und die Heilung beschleunigen.

Frau Dr. Johnen, der junge Mensch verkraftet Knochenbrüche und unfallchirurgische Operationen ganz gut. Was macht Eingriffe bei älteren Menschen so schwierig?

Dafür kann es ein ganzes Bündel an Ursachen geben. Viele alte Menschen haben eine durch Osteoporose verursachte schlechte Knochenqualität. Der Knochen ist ganz einfach brüchig geworden im Laufe der Jahre. Oft kommen Begleiterkrankungen hinzu: Durchblutungsstörungen in den Beinen, bei Herzvorerkrankungen Ödeme im Gewerbe, andere chronische Alterskrankheiten. Darauf muss man Rücksicht nehmen. Jede Operation in diesem Zustand kann eine Operation zu viel sein, weil unter anderem das Risiko von Wundheilungsstörungen deutlich steigt.

Können denn Implantate wie Metallplatten und Schrauben unter diesen Umständen gut fixiert werden?

Ja. Aber es ist eine große Herausforderung, wenn der Knochenschwund schon weit fortgeschritten ist. Verschraubungen halten nicht so gut, es sind große Eingriffe erforderlich, Muskeln müssen freigelegt werden – das alles erschwert bei älteren Patienten die Genesung. Über eine Zementaugmentation, also das Einführen von zähflüssigem Knochenzement, erreichen wir zwar auch einen sicheren Halt für die Metallschrauben und Knochen im Körper. Aber im Bereich der Extremitätenknochen sind solche Eingriffe kaum minimal-invasiv möglich und die Knochen sind danach auch nicht so stark belastbar.

Gibt es zu diesen Methoden eine Alternative?

Es scheint so, dass wir bei Frakturen der Röhrenknochen – also Ober- und Unterschenkel sowie Ober- und Unterarme – und sogar beim flachen Beckenknochen jetzt ein neues sehr schonendes Verfahren an der Hand haben, das ausschließlich bei älteren Patienten zum Einsatz kommt. Dabei wird ein sogenanntes »intramedulläres photodynamisches Implantat« in den Knochen eingebracht.

Das klingt kompliziert. Wie ist die genaue Funktionsweise?

Mit dieser Methode kann der Knochen über eine stabile Kunststofffüllung im Knocheninneren stabilisiert werden. Der Chirurg führt über einen Kathederschlauch einen Ballon in den Markraum des Knochens. Der Ballon wird mit einer Kunststoffflüssigkeit gefüllt, die sich vollständig im Innenraum des Knochens verteilt.

Und wie härtet dieser flüssige Kunststoff aus?

Indem er über ein innenliegendes Lichtkabel mit ultraviolettem blauem Licht photodynamisch belichtet wird. Dieses Verfahren kennt inzwischen fast jeder von uns. In der Zahnbehandlung ist das mittlerweile Standard. Das Implantat hat eine Röntgenmarkierung. Dadurch kann man genau sehen, wo es sich befindet, ob es den Innenraum lückenlos ausfüllt und so für eine gute Stabilisierung sorgen kann. Die Methode stammt aus den USA und ist von der Firma IlluminOss patentiert. Sie ist seit 2010 international in klinischer Verwendung.

Haben Sie selbst damit schon Erfahrungen gesammelt?

Ja. Wir sind meines Wissens die einzige unfallchirurgische und orthopädische Klinik in Berlin, die damit Erfahrung hat. Ich habe bisher in zehn ausgewählten Fällen ein »intramedulläres photodynamisches Implantat« eingesetzt. Beispielsweise hatte ich eine 80jährige Patientin mit einer Beckenringfraktur, wie sie bei älteren Menschen leider häufig nach Stürzen auftritt. Diese Patientin war bereits einen Tag nach der Operation wieder mobil und konnte laufen. Wäre sie wie üblich konservativ behandelt worden, hätte sie sich drei bis vier Monate nur mit großen Schmerzen bewegen können und der Schaden wäre in diesem hohen Alter irreversibel gewesen. Die Frau hätte ihre Selbstständigkeit und ihre Mobilität verloren.

Werden diese Erkenntnisse durch Studien gestützt?

Auf jeden Fall. Es kommen bei uns natürlich nur Verfahren zum Einsatz, die klinische Studien durchlaufen haben. Eine beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurige vorgestellte Langzeitstudie aus Köln kam bereits 2014 zu guten Ergebnissen. Die Patienten hatten ein Durchschnittsalter von 77 Jahren und alle eine schlechte Knochenqualität. Immerhin 98 Prozent der Frakturen konnten »konsolidiert« werden. D.h. der Knochen war stabil, die Patienten waren ihrem Alter und Gesundheitszustand entsprechend wieder mobil und sie hatten keine Schmerzen mehr. An der Studie nahmen in einem Zeitraum von fast vier Jahren 76 Patienten teil. Aufgrund von Komplikationen musste in nur drei Fällen das Implantat wieder entfernt werden. Inzwischen sind wieder einige Jahre vergangen und die Methode wurde weiter verbessert.

Wollen Sie diese Methode in Zukunft häufiger verwenden?

Mit »intramedullären photodynamischen Implantaten« können wir unser Spektrum unfallchirurgischer Behandlungsmethoden wirklich sinnvoll erweitern. Deshalb werden wir dieses Verfahren bei ausgewählten und geeigneten Patienten, selbstverständlich auch bei gesetzlich Krankenversicherten, weiterhin einsetzen, wenn diese das wünschen.

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Corinna Riemer
Leiterin Unternehmenskommunikation

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