Prof. Dr. Thomas Poralla informiert in der Urania, wie man Lebererkrankungen vermeiden kann

· Wie bleibt meine Leber gesund?
Leberexperte Prof. Dr. Thomas Poralla, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I und Endoskopie

Die Leber ist als »Stoffwechselzentrale« des Körpers unentbehrlich. Deshalb ist es wichtig, mit diesem größten inneren Organ möglichst pfleglich umzugehen. Insbesondere Alkohol, Rauchen, Medikamentenmissbrauch und Übergewichtigkeit sind Risikofaktoren, die zu einer schweren Lebererkrankung führen können. Darauf machte Prof. Dr. Thomas Poralla, Ärztlicher Direktor des St. Joseph Krankenhauses und Experte für die Leber und Verdauungsorgane, bei einem Vortrag in der Urania Berlin aufmerksam.

Starke Zunahme schwerer Leberkrankheiten

Die Leber hat zahlreiche Funktionen für den Stoffwechselhaushalt im Körper und ist normalerweise sehr widerstandsfähig. Sie nimmt unter anderem Zucker, Fettsäuren und Eiweiße aus der Nahrung auf, wandelt sie um und leitet sie zum Beispiel als Proteine an die Zellen weiter. Eine überlebenswichtige Aufgabe ist auch die Entgiftung, indem Schadstoffe über die Nieren oder die Galle ausgeschieden werden können.

Aber selbst ein so robustes Organ wie die Leber kann geschädigt werden, wenn sie auf Dauer zu viele Schadstoffe verarbeiten muss. Leider haben Krankenhausaufenthalte bei chronischen Leberkrankheiten in den vergangenen 15 Jahren überdurchschnittlich zugenommen im Vergleich zu den ebenfalls sehr stark verbreiteten Herz- und Lungenerkrankungen. Auch die Todesrate bei schwerer Lebererkrankung ist vergleichweise hoch. Jährlich sterben in Deutschland über 20.000 Menschen an Leberzirrhose oder Leberzellkrebs.

Hohes Risiko durch Alkohol-Mißbrauch

Eine häufige Ursache für schwere Lebererkrankungen ist Alkohol-Missbrauch. So liegt die Sterblichkeitsrate bei einer alkoholbedingten Leberzirrhose zwischen 58 und 85 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Die alkohlbedingte Fettleberentzündung führt in vielen Fällen bereits innerhalb eines Monats zum Tod. Absolute Alkoholabstinenz, gesunde eiweiß- und vitaminreiche Nahrung und ein integriertes Behandlungskonzept sind daher für eine Gesundung unverzichtbar. Gefährdet sind mehr Menschen als man denkt. Bei einer gesunden Leber halten Mediziner eine Menge von 30 Gramm Alkohol bei Männern (15 g bei Frauen) für unbedenklich. Das entspricht gerade mal einem halben Liter Bier oder einem Glas Wein täglich.

Auch zu viel und zu fetthaltiges Essen kann zu einer Fettleber führen. Insbesondere in Verbindung mit Rauchen steigt das Risiko einer schweren, eventuell sogar tödlichen, Erkrankung. Hier helfen Gewichtsreduktion, Verzicht auf Rauchen, körperliches Training, gegebenenfalls Absetzen von Medikamenten, bei vorliegendem Diabetes mellitus eine sorgfältige Regulierung des Zuckerspiegels und der Genuß von zwei Tassen Kaffee täglich.

Vorsicht auch bei Medikamenten und Natur-Heilmitteln

Ein hoher Risikofaktor sind auch Medikamente. Über 600 Arzneimittel können im Einzelfall Nebenwirkungen haben, die die Leber schädigen. Daher sind 15 bis 40 Prozent aller akuten Leberversagen auf die, oftmals nicht sachgerechte, Einnahme von Medikamenten zurückzuführen. Besorgniserregend ist die Zunahme von Leberschäden, die auf Nahrungsergänzungs- und Heilmittel zurückzuführen sind, die ohne ärztliche Verordnung eingenommen werden. Dazu gehören auch traditionelle indische oder afrikanische Heilmittel sowie Kräutertees, die sogenannte Pyrrolizidinalkaloide enthalten.

Eine weitere Gefahr für die Leber ist eine Hepatitis. Die wichtigsten Formen der Hepatitis – A, B, C und E – können jeweils gefährliche Leberkrankheiten zur Folge haben. Die Lebertransplantation als letzter Ausweg bei einer schweren Erkrankung ist nur ein schwacher Trost. Aufgrund des Spenderorganmangels werden in Deutschland Patienten erst im sehr weit fortgeschrittenen Krankheitsverlauf transplantiert. Dadurch sinkt die Überlebensrate.

Daher schützen nur eine gesunde und ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf übermäßigen Alkoholkonsum und Rauchen sowie regelmäßige ärztliche Untersuchungen einigermaßen zuverlässig vor einer schweren Lebererkrankung.

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Corinna Riemer
Leiterin Unternehmenskommunikation

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