Dr. Hanno Tröger, Chefarzt der Medizinischen Klinik I mit Endoskopie, im Interview über die interdisziplinäre Behandlung bei Darmkrebs

· »Das richtige Therapiekonzept ist überlebenwichtig«
PD Dr. Hanno Tröger, Chefarzt der Medizinischen Klinik I mit Endoskopie.

Die Behandlung von Darmkrebs ist einer der medizinischen Schwerpunkte im St. Joseph Krankenhaus. Die Kompetenz auf diesem Gebiet ist im interdisziplinären Darmkrebszentrum gebündelt. PD Dr. Hanno Tröger, Chefarzt der Medizinischen Klinik I mit Endoskopie und einer der beiden Leiter, erklärt im Interview den Behandlungsansatz des Darmkrebszentrums in Tempelhof.

Welche Rolle spielt der interdisziplinäre Ansatz bei der Behandlung von Darmkrebs?

Darmkrebs ist eine Krankheit, die sich über viele Jahre über Polypenbildung entwickeln kann, ohne dass die Menschen es merken. Daher ist die Dickdarmspiegelung mit Entfernung der Polypen so entscheidend. Wenn Symptome auftreten, hat sich aus den Polypen meist bereits Darmkrebs entwickelt. Und an diesem Punkt können wir nur im Team mit Experten aus der Onkologie, der Chirurgie, der Radiologie, der Strahlentherapie und der Pathologie herausfinden, welches der beste Behandlungsweg für die einzelnen Patienten ist.

Was steht am Anfang einer Behandlung?

Das Wichtigste ist das ausführliche Gespräch mit dem Patienten, um zu sehen, wie er oder sie mit der Diagnose umgeht. Denn die Einstellung zu der Erkrankung entscheidet maßgeblich mit über den Erfolg. Ein solches Gespräch in aller Offenheit ist allein schon deshalb wichtig, weil eine Darmkrebsbehandlung natürlich eine außerordentliche psychische und auch körperliche Belastung für den Patienten darstellt. Menschen mit der Diagnose Darmkrebs sind im Durchschnitt älter als 70 Jahre und haben oft multiple Vor- oder Begleiterkrankungen. Die gilt es in dem Behandlungskonzept zu berücksichtigen. Entscheidet sich ein Patient für die Behandlung, beginnt meistens innerhalb von zwei Wochen die Therapie. Es wird zunächst im Rahmen der Spiegelung eine Gewebeprobe entnommen, wir machen Untersuchungen mit dem CT oder auch mit dem MRT und dann wird der Fall in unserer wöchentlichen interdisziplinären Tumorkonferenz ausführlich besprochen und ein Therapiekonzept erstellt.

Viele Menschen glauben immer noch, dass Darmkrebs unheilbar ist. Stimmt das?

Nein. Die Langzeit-Überlebensrate aller Patienten mit dieser Diagnose liegt inzwischen bei über 60 Prozent. Dies hängt allerdings maßgeblich davon ab wie weit fortgeschritten die Erkrankung ist. Daher ist im Falle einer Darmkrebsdiagnose das richtige Therapiekonzept überlebenswichtig. Manchmal reicht ein operativer Eingriff und ein Patient ist dauerhaft geheilt. Oftmals sind aber auch kompliziertere Behandlungsabläufe mit Kombination von Operation, Chemotherapie und Bestrahlung erforderlich, wenn der Krebs zum Beispiel im Enddarm liegt oder er in die Lymphknoten oder Leber gestreut hat.

Welche Rolle spielen neue Medikamente bei der Behandlung?

Uns stehen heute bessere Präparate zur Verfügung, um zum Beispiel das Wachstum von Tumorzellen zu blockieren. Das kann für Patienten mit der Diagnose „unheilbar“ noch einmal ein Geschenk sein, wenn dadurch die Lebenserwartung um ein bis zwei Jahre verlängert werden kann. Auch moderne Immuntherapien, bei vielen anderen Krebserkrankungen mittlerweile Teil einer Standardtherapie, sind auf dem Vormarsch. Allerdings sind solche sogenannten Immun-Checkpoint-Hemmer bei Darmkrebs bisher nur für einen kleinen Teil der Patienten sinnvoll. Aber wir werden hier in den nächsten Jahren auch weitere Fortschritte sehen.

Was ist für das Leben nach oder mit dem Darmkrebs wichtig?

Auch Patienten, die nach einer Therapie als geheilt gelten, nehmen an einer strukturierten Nachsorgebehandlung teil. Die dauert fünf Jahre und beinhaltet ausführliche Untersuchungen alle sechs bis zwölf Monate. Das machen die Patienten normalerweise bei ihren niedergelassenen Krebsspezialist:innen, einige gehen dafür auch in die in Krankenhäusern angebotenen Sprechstunden.

Sehr wichtig im Rahmen der Krebserkrankung ist die psycho-onkologische Begleitung, die zu verschiedenen Zeitpunkten der Behandlung notwendig sein kann. Für das Leben nach der Therapie gilt natürlich das gleiche wie bei der Darmkrebsvorsorge. Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst, nicht Rauchen, wenig Alkohol und viel bewegen hilft dabei, besser mit den Folgen der Krankheit klar zu kommen.

An der Darmkrebsvorsorge teilnehmen!

Im »Darmkrebsmonat März« ruft die Felix Burda Stiftung im Rahmen einer Kampagne dazu auf, rechtzeitig an einer Vorsorgeuntersuchung teilzunehmen. Die Darmspiegelung wird für Männer ab 50 Jahren und Frauen ab 55 Jahren empfohlen, die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Weitere Informationen zum Thema Darmkrebsvorsorge finden Sie hier.

 

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