Kinderurologie

Kinderurologie

Erkrankungen des Harntraktes im Kindesalter unterscheiden sich grundlegend von denen im Erwachsenenalter. Deshalb müssen diese Erkrankungen – vorwiegend geht es hier um Fehlbildungen des Urogenitaltraktes und deren Folgen – von erfahrenen Kinderurologen behandelt werden.

Missbildungen des Harntrakts bei Kindern sind heute schon vorgeburtlich sehr gut festzustellen: Nieren und auch die Blase lassen sich bei der Ultraschall-Feindiagnostik gut darstellen und erkennen. Störungen des Harntransports führen zu einer Ausweitung der Nieren und Harnleiter. Werden diese vor der Geburt erkannt, erfolgt direkt nach der Geburt eine engmaschige Kontrolle der erhobenen Befunde. Bleiben die Erweiterungen nach der Geburt bestehen und bestätigt sich der Verdacht auf eine Fehlbildung, sind weitergehende Untersuchungen und in deren Folge oftmals operative Eingriffe nötig.

Häufige Störungen

Eine häufige Störung des Urinabflusses aus dem Nierenbecken in den Harnleiter liegt vor, wenn es bei der Nierenentwicklung zu einer Einengung zwischen Nierenbecken und Harnleiter gekommen ist (Ureterabgangsstenosierung). Welches Ausmaß die Erkrankung hat, lässt sich nach der Geburt durch diagnostische Maßnahmen feststellen. Nur wenn die Abflussstörung bedeutsam ist, erfolgt in den ersten Lebensmonaten des Kindes eine operative Korrektur. Hierbei wird eine neue, ausreichend weite Verbindung zwischen Nierenbecken und Harnleiter hergestellt.

Eine weitere häufige Störung des Urinabflusses ist eine Einengung des Übergangs zwischen Harnleiter und Blase (primär obstruktiver Megaureter). In schweren Fällen muss durch eine Operation die verengte Stelle aus dem Harnleiter entfernt und dieser neu in die Blase eingepflanzt werden.

Eine nur bei Jungen auftretende Entleerungsstörung aus der Blase sind die so genannten Harnröhrenklappen: Eine im blasennahen Bereich der Harnröhre liegende Membran verhindert die normale Entleerung der Blase. Da sich die Störung negativ auf die Nieren auswirken kann, muss sie sofort nach der Geburt behandelt werden. Meist ist es möglich, die Harnröhrenklappen endoskopisch zu entfernen. Auf Grund zusätzlicher Veränderungen der Blase und oberen Harnwege ist auch eine vorübergehende Entlastung der Harnblase nötig.

Infektionen der Harnwege

Harnwegsinfektionen treten bei kleinen Kindern relativ häufig auf. Hier muss stets geklärt werden, ob die Verbindung zwischen Blase und Harnleiter fehlgebildet ist, was die Entstehung von Niereninfektionen fördern kann. Fließt Urin aus der Blase in den Harnleiter und bis zur Niere zurück (vesikoureteraler Reflux), können Harnwegsinfektionen die Folge sein. Hat eine Behandlung mit Antibiotika keinen Erfolg, muss eine operative Therapie erfolgen.

Wenn die Harnleitermündung zu nahe am Blasenausgang oder gar in der Harnröhre liegt, behindert das den Urinabfluss aus dem Harnleiter. Infolge dessen kommt es zu einer Erweiterung des Harnleiters und des dazugehörigen Nierenanteils. Oftmals weitet sich der Harnleiter auch im Blasenbereich auf, sodass im Ultraschall eine Blase in der Harnblase zu sehen ist (Ureterozele). Diese komplexen Veränderungen an der Niere, den Harnleitern und der Blase benötigen eine exakte Diagnostik und in vielen Fällen auch eine operative Korrektur.

Beim Hodenhochstand steigen die Hoden erst kurz vor der Geburt in den Hodensack ab. Nicht selten jedoch sind einer oder beide Hoden nicht im Hodensack zu tasten. Dann muss eine Behandlung erfolgen, da die Hoden Schaden nehmen, wenn sie nicht im Hodensack liegen. Im Alter von einem halben Jahr kann eine hormonelle Therapie durchgeführt werden; sollte dies nicht zum Erfolg führen, müssen die Hoden operativ in den Hodensack verlagert werden.