Behandlung von Hämangiomen im St. Joseph Krankenhaus Berlin

Hämangiome

Hämangiome sind gutartige Tumore, die etwa drei Prozent aller Neugeborenen entwickeln. Frühgeborene sind noch häufiger betroffen. Die Mehrzahl der Hämangiome sind harmlose rote kapilläre Tumore, die die Hautoberfläche oder die Haut und das Unterhautgewebe betreffen. Der Großteil der Hämangiome muss nicht behandelt werden. Befindet sich das Hämangiom an einer für die Funktion oder äußere Erscheinung ungünstigen Stelle (z.B. Augenlid, Augenhöhle, Gesicht, Ano-Genitale, Hand oder Fuß), sollte möglichst früh und konsequent therapiert werden. Das gilt auch bei ausgedehnten (segmentalen) Hämangiomen sowie bei Beteiligung innerer Organe oder der Atemwege.

Möglicherweise entstehen Hämangiome aus verirrten Stammzellen; die genaue Ursache oder mögliche genetische Störung ist nicht bekannt. Hämangiome sind entweder bei der Geburt bereits sichtbar oder entwickeln sich in den ersten Wochen der Neugeborenenperiode in der Haut und im Unterhautfettgewebe oder selten in inneren Organen als kapilläre, die kleinsten Blutgefäße betreffende, Tumore.

Hämangiome haben eine Wachstumsphase von sechs bis neun Monaten. Danach stagniert das Wachstum, sie werden blass-grau, um sich innerhalb weiterer sechs bis neun Monate zurück zu bilden. Sie können spurlos verschwinden, eine schlaffe unregelmäßige Haut hinterlassen oder als Narbengewebe zurückbleiben.

Die meisten Hämangiome sind Fokale (oder Lokale) Hämangiome. Sie treten an ein bis fünf Stellen der Haut und Unterhaut sowie selten z.B. in der Ohrspeicheldrüse (Parotis) auf und weisen das beschriebene Wachstums-, Stillstands- und Rückbildungsmuster auf. Hier kann der natürliche Zyklus aus Wachstum, Stillstand und Rückbildung abgewartet werden.

Segmentale Hämangiome erfassen ganze Abschnitte (Segmente) des Körpers, also z.B. Teile des Gesichts oder andere großflächige Stellen des Körpers. Sie haben oft eine längere Wachstumsphase bis zu zwei Jahren und können mit anderen Fehlbildungen wie z.B. dem PHACES-Syndrom einhergehen. Segmentale Hämangiome sind aufgrund der Ausdehnung und ihres Wachstumsverhaltens wesentlich destruktiver als Fokale Hämangiome.

Komplikationen bis hin zu Blindheit

Je nachdem, wo sie auftreten, können Hämangiome verschiedene Komplikationen verursachen. Die Oberfläche kann zu einer offenen Wunde werden (Ulzeration), aus der es auch bluten kann. Die Blutung ist meist nur schwach und durch äußeren Druck gut zu stoppen.

Hämangiome im Bereich der Augenlider und der Augenhöhle können den Augapfel unter Druck setzen, was zu einer Verformung führen kann. Das optische Bild wird verzerrt, es entsteht eine Hornhautverkrümmung. Darüber hinaus können Hämangiome den Lichteinfall für das Auge behindern, was schlimmstenfalls ein »Abschalten« der Lichtverarbeitung im Gehirn mit daraus resultierender Blindheit verursachen kann. Hämangiome im Bereich des Kehlkopfes und der Luftröhre können den Luftweg einengen, was sich durch Geräusche bei der Atmung (Stridor) und verminderte Belastbarkeit äußert. In seltenen Fällen können Hämangiome in inneren Organen, vor allem der Leber, wachsen und durch ihren vermehrten Durchblutungsbedarf zu einer Überlastung des Herzens und Gedeihstörungen führen.

Verschiedene Therapieformen kommen einzeln oder kombiniert in Frage

  • Medikamentöse Therapie: Die Entdeckung der ausgezeichneten Wirksamkeit des Betablockers Propranolol 2008 hat die Behandlung von Hämangiomen geradezu revolutioniert. Während früher in schwierigen Fällen Cortison-Präparate notwendig waren – mit ihren bekannten häufigen Nebenwirkungen – kann heute fast immer darauf verzichtet werden. Auch Zytostatika wie Vincristin kommen immer seltener zum Einsatz. Propranolol wird über sechs bis zwölf Monate hinweg, selten länger, zweimal täglich oral verabreicht, in einer Dosis von zwei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Die Wirkung tritt bereits nach wenigen Tagen ein. Nebenwirkungen sind selten; im Zentrum für Vasculäre Malformationen wurden sie bisher nicht beobachtet. Eltern erhalten ein Merkblatt für sich und den Kinderarzt zur Erkennung eventueller Nebenwirkungen. Die Behandlung mit Propranolol beginnen wir während eines zweitägigen stationären Aufenthalts zur Überwachung des Patienten und Erkennung von Nebenwirkungen.
  • Lasertherapie: Hämangiome können mit verschiedenen Lasersystemen behandelt werden. Ziel ist es, wachsendes Gewebe zu schädigen und die Rückbildungsphase zu beschleunigen. Der NeodymYAG-Laser wird für tiefere und oberflächliche Anteile eingesetzt und der Farbstoff-Laser nur für oberflächliche Formen.
  • Operative Entfernung: Trotz Propranolol- oder Lasertherapie gibt es Situationen, in denen die operative Entfernung eines Hämangioms notwendig ist. Dies betrifft Hämangiome um das Auge herum, große Hämangiome im Gesichts- oder Genitalbereich sowie Hämangiome mit Komplikationen wie Ulzerationen und Blutungen. Um die Folgen einer Operation so wenig sichtbar wie möglich zu gestalten, werden modernste Methoden der plastischen Chirurgie zum Einsatz gebracht. Hämangiome, die den Atemweg spürbar einengen, müssen mit endoskopisch gesteuerter Lasertherapie behandelt werden.