»Wirbelbruch Auslöser für eine ganze Kette von Leiden«

· DREI FRAGEN AN: Dr. med. Ferass Al-Zain, Leiter der Therapie von Bandscheibenvorfällen in der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie des St. Joseph Krankenhauses
Dr. med. Al-Zain

In einem Informationsabend für Betroffene berichtete Dr. med. Ferass Al-Zain, Leiter des Wirbelsäulenzentrums am St. Joseph Krankenhaus, über die Behandlungsmöglichkeiten bei osteoporotischen Wirbelbrüchen. Vor allem Frauen nach den Wechseljahren erkranken häufig an Osteoporose. Einblicke in die Krankheit gibt Dr. med. Al-Zain auch hier im Interview.

Welche Menschen erkranken vorwiegend an einer Osteoporose?

Es betrifft vor allem Menschen über 50 Jahre, Frauen mehr als Männer. Aufgrund der demographischen Entwicklung registrieren wir einen starken Zuwachs an Erkrankungen und in der Folge auch an osteoporotischen Frakturen. Heute erkrankt etwa jede 4. Frau über 50 Jahren  an einer Osteoporose, alle 30 Sekunden erleidet in Europa ein Mensch eine osteoporotische Fraktur.

In Ausnahmefällen können auch jüngere Menschen betroffen sein, dann liegen in aller Regel aber weitere Krankheiten, wie zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion, vor.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es am St. Joseph Krankenhaus?

In der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie kümmern wir uns vorwiegend um sogenannte Wirbelbrüche. Wir behandeln hier jährlich zwischen 200 und 300 Patienten mit Osteoporose, davon werden bis zu 80 Patienten auch operiert.

Oberstes Anliegen ist es, dass die Patienten wieder schmerzarm und gehfähig werden. Viele sind aufgrund der enormen Schmerzen gehunfähig und in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Es kommt zu Folgeerkrankungen wie Liegegeschwüren oder Harnwegsentzündungen mit Beeinträchtigung der Lungen- und Nierenfunktion. Der Wirbelbruch ist also der Auslöser für eine ganze Kette an Leiden. Deshalb versuchen wir, wenn möglich, über konservative Behandlungen die Mobilität wiederherzustellen, sei es durch Gabe geeigneter Schmerzmittel und/oder durch ein Stützkorsett.

Wenn der Schmerz durch die konservative Behandlung nicht beherrscht wird, ist eine Operation der einzige Ausweg. Die chirurgisch einfachste Methode, ist die sogenannte (Kyphoplastie) Zementeinspritzung, um den erkrankten Wirbel zu stärken.

Wenn ein Wirbelkörperbruch begleitet wird mit Druck auf das Rückenmark und neurologischen Ausfallerscheinungen, kommen auch kompliziertere Operationsverfahren in Betracht. Hier sind Versteifungsoperationen indiziert. Auf diese Weise werden die Nervenstrukturen entlastet und eine Zunahme der Fraktur verhindert.  Wir arbeiten inzwischen auch mit neuen Technologien, bei denen Schrauben oder Stäbe in das schwache Wirbelsystem mit Zement verstärkt werden.

Wie kann man vorbeugen?

Leider trifft Osteoporose auch sportliche und aktive Menschen im hohen Alter. Bei einer genetischen Veranlagung sollte man rechtzeitig  eine Knochendichtemessung durchführen lassen. Bei positivem Befund würde man dann mit einer medikamentösen Behandlung beginnen, um den Knochenabbau zu verlangsamen. Gleichzeitig sollte man die Rückenmuskeln trainieren, weil sie das Knochengerüst stärken und entlasten.

Pressekontakt

Corinna Riemer
Corinna Riemer
Leiterin Unternehmenskommunikation

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