Drei Fragen an Dr. Holger Klose, Leiter des Zentrums für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie

· »Seriöse Erstberatung ist das A und O in unserer Disziplin«

Seit 2012 werden im St. Joseph Krankenhaus plastisch-chirurgische Eingriffe durchgeführt. Alle Leistungen in diesem Bereich sind seit Kurzem gebündelt im Zentrum für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, geleitet von Dr. Holger Klose. Klose ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie sowie Dozent für Plastische Chirurgie an der Steinbeis-Hochschule am Deutschen Herzzentrum Berlin.

Herr Dr. Klose, mit welchen Krankheiten, Verletzungen und Fehlbildungen haben Sie es in erster Linie zu tun?

Unser Behandlungsspektrum ergibt sich zum Großteil aus der interdisziplinären Arbeit hier im Krankenhaus. Gewebeaufbau nach Tumoren in der Brust ist ein wichtiges Thema bei gynäkologischen Patientinnen. Oder wir haben Patienten aus der Unfallchirurgie mit Verletzungen im Gesicht. Wir arbeiten auch eng mit der Kinderchirurgie zusammen, insbesondere mit dem Zentrum für Vasculäre Malformationen: Große Hämangiome im Kopf- und Halsbereich sind manchmal nicht mehr mit Lasertechnologie allein zu behandeln, es sind aufwändige Gewebeverschiebungen notwendig. Das ist besonders anspruchsvoll, weil es sich meistens um kleine Kinder handelt, die noch die gesamte Wachstumsphase vor sich haben.

Ein wichtiges Feld unserer Arbeit sind auch Wundkomplikationen, die nach Operationen bei Nierenkranken oder Diabetikern zu einem lebensgefährlichen Risiko werden. Ich selbst habe langjährige Erfahrung in der plastisch-chirurgischen Nachversorgung von Patienten, die sich nach einer Herzoperation eine Infektion des Brustbeins zugezogen haben. Bei Risikopatienten ist das leider nicht selten. Hier müssen wir dann teilweise infizierte Knochen entfernen und durch Muskelplastiken den gesamten Brustkorb stabilisieren.

Und welche Eingriffe führen Sie im Bereich der Ästhetischen Chirurgie durch?

Im St. Joseph Krankenhaus behandeln wir Menschen, die aufgrund von Form- und Fehlstellungen, Narben und Wunden oder aufgrund von Dauerentzündungen unter einer enormen Einbuße von Lebensqualität leiden. Ein typisches Beispiel sind abstehende Ohren bei Kindern oder ungleich gewachsene Brüste bei jungen Frauen. Das Spektrum setzt sich fort bis zu komplexen, oftmals lebensrettenden plastischen Eingriffen nach Unfällen, Tumor- oder Herzoperationen.

In der Ästhetischen Chirurgie ist eine seriöse Erstberatung nach meinem Verständnis das A und O. Man sollte als Mediziner nicht allen Wünschen nachgeben und falsche Erwartungen dämpfen. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen sollte man nur tätig werden, wenn es medizinisch oder psychologisch begründet ist.

Welche Fortschritte gibt es in der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie?

Unsere operativen und medizinischen Möglichkeiten haben enorm zugenommen - und damit auch die Akzeptanz des gesamten Fachgebiets. Was Gewebetransplantationen anbelangt, lernen wir kontinuierlich dazu: Körpereigenes Gewebe ist ein kostbares Material, jedoch häufig nicht in ausreichender Menge verfügbar. Daher setzen wir große Hoffnung in das Züchten von Gewebe.

Entwicklungen gibt es auch bei der Nutzung von Eigenfett, um verlorenes Volumen wieder auszugleichen. Eigenfett wird an bestimmten Stellen des Körpers entnommen, aufbereitet und in das Zielgewebe implantiert. So kann man bereits heute oft auf Fremdmaterialien verzichten, etwa nach einer Tumor-OP bei der Rekonstruktion der Brust. Auch bei Gewebedefekten und entstellenden Narben ist Eigenfett zum Auffüllen sinnvoll. Derzeit wird intensiv daran geforscht, die Methoden zur Entnahme und Aufbereitung von körpereigenem Fett zu verbessern. 

Pressekontakt

Corinna Riemer
Corinna Riemer
Leiterin Unternehmenskommunikation

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