Prof. Dr. Christiane Erley setzt sich für geschlechtsspezifische Behandlung in der Nierenheilkunde ein

· Individuelle Therapien für Frauen und Männer
Mit einer Studie will das SJK herausfinden, wie Frauen und Männer mit Nierenbeschwerden unterschiedlich behandelt werden können Foto: iStock

Frauen und Männer sind unterschiedlich! Eine Binsenweisheit. Doch bei der Behandlung von Krankheiten wird das oftmals noch ignoriert. »Besonders in der Nierenheilkunde müssen wir in Zukunft die geschlechtsspezifischen Unterschiede stärker in den Blick nehmen«, sagt Prof. Dr. Christiane Erley, Chefärztin der Medizinischen Klinik II im St. Joseph Krankenhaus.

Gleiche Therapie für alle – nach diesem Motto wurden Frauen und Männer auch in der Nierenheilkunde lange Zeit behandelt. Doch dieser Ansatz ist falsch; das verdeutlichen einige Beispiele. So haben Männer 10 bis 15 Prozent mehr Nierenkörperchen (Glomeruli) als Frauen. Damit kann bei ihnen mehr Primärharn aus dem Blut gefiltert werden, was grundsätzlich positiv ist. Dennoch leiden Männer im Alter unter 70 Jahren häufiger an Nierenerkrankungen als Frauen. Ist eine Nierenersatztherapie erforderlich, kommen Männer auch häufiger zur Dialyse als Frauen im gleichen Stadium der Erkrankung. Genetisch bedingte Nierenerkrankungen wie Zystennieren treten bei Frauen in diesem Alter ebenfalls seltener auf als bei Männern.

Differenzierter Blick auf die Gesundheit

In späteren Lebensjahren wandelt sich das Bild. Dabei spielen offenbar hormonelle Veränderungen eine Rolle. Insbesondere bei älteren Frauen macht sich auch die geringere Filterleistung ihrer Nieren bemerkbar. Wenn Medikamente etwa gegen Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder bei Auftreten eines Diabetes mellitus in gleicher Dosierung für beide Geschlechter verabreicht werden, kann dies für Frauen negative Folgen haben. »Manche kommen dann mit einer durch Medikamente geschädigten Niere zu uns in die Dialyse, sie haben also zusätzlich zu ihren bisherigen Beschwerden eine weitere schwerwiegende Erkrankung entwickelt«, so Christiane Erley.

Mehr Forschung und Aufklärung notwendig

Prof. Dr. Erley wirkt daran mit, die Aufklärung und Forschung auf dem Gebiet der geschlechtsspezifischen Nierenheilkunde zu verbessern. Sie ist im Vorstand der Kommission Frau und Niere der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) und an der Erforschung individueller Therapien beteiligt ebenso wie an der Sensibilisierung des medizinischen Personals für die Thematik. Nach Auffassung der Kommission besteht die Notwendigkeit, bei der Gabe von Medikamenten stärker auf das Geschlecht des Patienten zu achten. Einsgesamt sei einer differenzierterer Blick auf die Gesundheit von Frauen und Männern medizinisch wichtig und notwendig.

Vor diesem Hintergrund hat die Medizinische Klinik II gemeinsam mit der Kommission „Frau und Niere“ eine Studie zum unterschiedlichen Ausgang des akuten Nierenversagens bei Männern und Frauen iniiert. Die Studie startet im Laufe des Jahres 2015 und basiert auf einer bereits abgeschlossenen Untersuchung, wonach vor allem ältere Frauen bei Einnahme bestimmter Blutdruckmedikamente häufiger ein Nierenversagen erleiden.

Pressekontakt

Corinna Riemer
Corinna Riemer
Leiterin Unternehmenskommunikation

Hinweis
Zur besseren Lesbarkeit wird lediglich die männliche Sprachform verwendet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beiderlei Geschlecht.