Chefarzt Dr. med. Dipl.-Theol. Hans Willner und Diplom-Psychologin Anika Kasper im rbb-Interview

· »Psychische Notfälle bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu«
Psychische Notfälle bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu

Das St. Joseph Krankenhaus Berlin Tempelhof behandelt aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie mehr psychische und psychiatrische Notfälle bei Kindern und Jugendlichen als normalerweise. Grund sind »häusliche Eskalationen«, weil die Eltern in der angespannten Lage ohne Kitabetreuung und Schulbesuchen nicht mehr zurechtkommen.

Das berichten Dr. med. Dipl.-Theol. Hans Willner, Chefarzt der Klinik für seelische Gesundheit im Kindes- und Jugendalter und Anika Kasper, Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin auf der Station für psychosomatische Erkrankungen in einer aktuellen Folge des Corona-Blog des Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb). »Bei den Kindern ist die Zahl der Notfälle, die zu uns kommen, in der letzten Zeit deutlich gestiegen«, sagt Willner. Außerdem habe sich die Dauer der Behandlungen verlängert und die Re-Integration ins Elternhaus sei derzeit schwierig. »Die Eltern müssen weiterhin vor allem alleine mit den Problemen zurechtkommen, denn das stabilisierende, schulische, außerfamiliäre Umfeld ist größtenteils weggefallen«, so Willner weiter. Auch litten viele Kinder und Jugendliche unter der sozialen Isolation. Daher seien viele Jugendliche über den Aufenthalt in der Klinik sogar froh, weil sie dort mit Gleichaltrigen zusammen sein könnten.

Die Pandemie sei für die meisten jungen Patientinnen und Patienten ein großer Einschnitt, weil sie bestimmte Angststörungen oder Depressionen noch verstärke, sagt Anika Kasper. Dabei stehe die Angst vor einer eigenen Erkrankung oder einer Erkrankung von Familienmitgliedern nicht im Mittelpunkt. Vielmehr sei es die Sorge, den Anschluss in der Schule zu verpassen oder keinen Ausbildungsplatz zu finden. »Die Jugendlichen setzen sich also eher mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auseinander und da entstehen natürlich Zukunftsängste«, so Anika Kasper.

Das gesamte Interview können Sie hier im Blog des rbb lesen.

Die SGKJ behandelt Kinder und Jugendliche mit allen Formen psychischer Erkrankungen und Entwicklungsstörungen. Die Klinik ist für die beiden Berliner Bezirke Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf zuständig. Behandlung und Betreuung erfolgen in der Institutsambulanz, in einem vollstationären und in einem teilstationären Bereich mit insgesamt 60 Behandlungsplätzen. Außerdem gibt es eine Station für Jugendliche mit psychosomatischen Beschwerden und eine Schule mit sonderpädagogischem Förderzentrum ist integriert.

Für Notfälle steht das stationäre und ambulante Angebot 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Kinder, Jugendliche und ihre Angehörigen können sich an die Psychologische Institutsambulanz wenden. Sie steht Kindern und Jugendlichen mit allen Formen psychischer Probleme und Erkrankungen offen.

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